PDF/X näher beleuchtet (Teil 1)

Durch das internationale Normgremium ISO TC 130 „Graphic Technology“ wurden zwei neue Normen für den PDF/X-Standard zur Datenerzeugung und Datenaustausch herausgegeben – ISO 16612-2 und ISO 15930-8 (http://tinyurl.com/35z2r9h). Für den Anwender bedeutet das vorerst nicht viel, da sie primär für Systementwickler bestimmt sind. Doch ist es recht interessant sich in diesem Zusammenhang einmal mit den PDF/X-Standards zu beschäftigen.

Was ist PDF/X?
PDF/X ist eine Bezeichnung für mehrere Normen zu Dateien vom Typ PDF. Die Konformität zu einer PDF/X-Norm gibt Rückschlüsse auf die Verwendbarkeit der Datei.

Welchen Standard benötigt man denn nun eigentlich für die Datenerzeugung und den Datentausch?
Auf den ersten Blick ist diese Frage leicht zu beantworten. Mit dem ersten Standard PDF/X-1a erhält man zur Erzeugung druckfähiger Daten sehr gute Ergebnisse. Aus Sicht der Druckerei ist PDF/X-1a die erste Wahl, aber aus Sicht des Datenerzeugers wohl eher nicht. Warum ist das so?Der Standard PDF/X-1a besagt folgendes:

  • Alle Schriften müssen in die Datei eingebettet werden.
  • Die Daten dürfen nur Graustufen, CMYK oder Schmuckfarben enthalten. Es dürfen keine RGB-, LAB- und ICC-basierte-Farbräume enthalten sein.
  • OPI ist in PDF/X-1a-Dateien nicht erlaubt.
  • Multimediale Inhalte wie Musik und Filme sind nicht erlaubt.
  • Nicht druckbare Anmerkungen sind nicht erlaubt. Wenn Anmerkungen (Notizen) in der PDF notwendig sind, sollten sie sich außerhalb des druckbaren Bereich befinden.
  • Die Datei sollte keine Formulare oder Javascript-Code enthalten.
  • Nur bestimmte Kompressionsalgorithmen (z.B. JPEG) werden unterstützt.
  • Verschlüsselung darf nicht verwendet werden.
  • Transfer Kurven dürfen nicht verwendet werden.

Es gibt aber auch Informationen die in einer PDF/X-1a Datei enthalten sein müssen:

  • Der Status für Überdrucken (ON oder OFF) muss gesetzt sein:
  • In PDF/X-1a Dateien müssen die Bleed- und Trimm-Box definiert sein.
  • Durch die MediaBox wird die Größe des gesamten Dokuments definiert.
  • Das Ausgabeziel (die beabsichtigte Druckbedingung) muss definiert sein:
  • durch ein ICC-Farbprofil. Profile können eingebettet oder referenziert werden.
  • durch ein output condition identifier, eine einfach Beschreibung der beabsichtigten Druck-Spezifikationen (z. B. FOGRA39).
  • Eine Kennzeichnung, dass es eine PDF/X-Datei und welche Art PDF/X-Datei es ist, muss angegeben werden.

Die Heute gebräuchlichste Spezifikation ist die PDF/X-1a:2003. Als PDF-Version wird PDF 1.4 verwendet. Auf Transparenzen und die JBIG2-Kompression für Bilder muss verzichtet werden.Für PDF/X-1a benötigt man im Vorfeld ein enormes Wissen zur Erzeugung der Daten. Viele Programme bieten zwar die Möglichkeit PDF/X-1a-konforme Daten auf Knopfdruck zu erzeugen. Dies ist jedoch mit Risiken verbunden. Eins der schwerwiegendsten Probleme ist die Konvertierung der Farbräume. Dabei wird Schwarz neu separiert und somit z.B. schwarze Elemente (Schriften und Grafiken) in 4c aufgebaut. Erwünscht ist dieser Effekt nicht. Durch Nutzung der Device-Link-Technologie wird die Neuseparation der schwarzen Elemente verhindert. Device-Link-Profile werden aber noch von wenigen Programmen unterstützt und auch hier werden Wissen und Erfahrungswerte benötigt.

Mit diesem Hintergrund wird die Erzeugung PDF/X-1a konformer Daten für den normalen Datenerzeuger sehr schwierig bis fast unmöglich. Druckereien stehen häufig vor dem Problem, dass sie vom Kunden PDF-Daten bekommen, die keiner Konformität entsprechen. Falls ein Datenerzeuger sich im Vorfeld bei seiner Druckerei zur PDF-Erzeugung informiert, ist der Zeitpunkt für grundlegende Änderungen in den Daten (z.B. Colormanagement) längst überschritten und eine PDF/X-1a-konforme Ausgabe nicht mehr möglich. Hier muss eine andere Ausgabestrategie überlegt werden.

Im nächsten Teil beleuchte ich die PDF/X-3-Norm.